Macht Fussball noch Bock?/die Zukunft des Fussballs

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      Macht Fussball noch Bock?/die Zukunft des Fussballs

      Die Gesellschaft ändert sich, davon bleibt auch der Fussball natürlich nicht unberührt, wie in der jüngeren Vergangenheit ja gut zu beobachten war und ist.
      Fussball ist imo zwar irgendwo immer auch noch Sport, zunehmend aber ein (Riesen)Business. Der Aspekt "Geld" wird wichtiger und wichtiger...

      Hierzu nur einige wenige ausgesuchte typische Stichworte: zunehmende Kommerzialisierung, enorm explodierende Ablösesummen und Gehälter, Spieler, die mit Hilfe ihrer Berater ihren angestrebten Vereinswechsel auf Kosten der Vereine erzwingen(wollen),ein immer weiteres Auseinanderdriften von armen und reichen Clubs, die Rechtsform Verein als Auslaufmodell?, fortschreitende Zersplitterung von Spieltagen für den asiatischen Markt, Fussballspiele als Eventspektakel usw.usw.

      Macht es Euch vor diesem Hintergrund überhaupt noch Spass, sich Bundesligaspiele, Champions- und Europaleague-Spiele anzuschauen, oder ist man womöglich besser damit bedient, sich Sonntags mit paar Kumpels den örtlichen Amateurverein anzuschauen?
      Oder ist vielleicht auch ein Leben ganz ohne Fussball für den einen oder anderen User eine Option?

      Und eine weitere interessante Frage: wie seht Ihr die (mittelfristige) Entwicklung des Fussballs? sagen wir mal, auf Sicht der nächsten 5-10 Jahre...längere Zeiträume dürften da unmöglich zu prognostizieren sein.

      Ich denke, das ganze Thema bietet genügend Spielraum für interessante und vielfältige Grundsatzdiskussionen, mal abgesehen vom üblichen Tagesgeschäft...

      In diesem Sinne, viel Spass beim Diskutieren
      Glückauf
      Tore - Punkte - Meisterschaft
      Ich werde mich da morgen mal in Gänze zu äußern. Erstmal nur so viel: Regionaler bzw. lokaler Fußball macht mir inzwischen mehr Spaß als die Bundesliga.
      Gutmenschenshit, linksgrünversifft, 20 Gramm Haze und ein bisschen Politik.

      Start wearing purple! Skol!

      Bukowski schrieb:

      Der Aspekt "Geld" wird wichtiger und wichtiger...
      Die Schlinge des Kapitalismus zieht sich nicht nur immer weiter um den Profifußball zu, sondern auch in allen anderen Teilen der Gesellschaft.


      Bukowski schrieb:

      Macht es Euch vor diesem Hintergrund überhaupt noch Spass, sich Bundesligaspiele, Champions- und Europaleague-Spiele anzuschauen...
      Nein. Lediglich die soziale Interaktion mit den Freunden und Bekannten ist noch ein Anreiz.
      "Der Fußball braucht: fangerechte Anstoßzeiten und die Wahrung von Traditionen. Doch euch geht es nur um frisches Kapital für sinnlose Investitionen." - UN94

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Zero 4 ()

      Sagen wir es mal so: Ich stehe dem Ganzen sehr kritisch gegenüber, würde im Moment aber alles andere als einen Rückzieher zu machen.

      Hab ne Dauerkarte (aus diversen Gründen dieses Jahr allerdings wohl mit 4 verpassten Spielen) und falls es mit Karten für Leverkusen auswärts reicht bin ich diese Saison zusätzlich bei 10 Auswärtspartien am Start.

      Die Stimmung sowohl daheim im Steher (nicht direkt bei den Ultras) als auch auswärts wo fast jeder mitmacht ist etwas, was einem die unterrangigen Spiele nicht bieten können.

      Zudem bin ich nun mal stolzer Fan des VfB Stuttgarts. Wenn ich mir das je einmal nicht mehr anschauen kann, dann würde ich mich komplett zurückziehen. Nochmal Anhänger eines andere Vereins zu werden, auch wenn der sprichwörtlich in einer anderen Liga spielen sollte, kommt nicht in Frage. Reutlingen z.B. finde ich ganz spannend und war auch schonmal bei nem Spiel, aber es ist einfach nicht das gleiche.
      "Völker der Welt, schaut auf diese Stadt":

      https://www.youtube.com/watch?v=2Qs0B3OD0JU
      schaue fussballspiele immer weniger. Wenn dann läuft es einfach so weil nix anderes da ist. Je " größer bzw. wichtiger" das Spiel desto uninteressanter. Sogar Schalke nicht mehr so aktiv. Bauern Spiele komplett uninteressant, werden gemieden..Auf der anderen Seite bin ich immer mehr ein Eventie..mein letztes Spiel vor einem Monat Sevilla cadiz copa del rey..aber das wird sich auch legen. Entferne mich immer mehr..und bin irgendwie nicht traurig deswegen..Allgemein glaube ich dass wir fast schon hinter dem Höhepunkt sind..bei den kleinen sind die Stadien immer leerer..wenn die kleinen anfangen zu sterben dann kommen auch irgendwann auch die größeren in der Nahrungskette.. hab hier vor Ort für mich so ein Sinnbild des alten fussbslls..der fck bzw. dessen Ende. Auch wenn ich die hasse und sie selbst durch fubiose Geschichten am Abgrund sind, sind sie für mich die alte Zeit
      Die Bazillen waren immer schon on top sol lange ich Fußball schaue und auf Schalke gehe. Aber JEDER in der Liga hatte eine Chance, die Bazillen zu schlagen! Dann gingen die Zecken an die Börse und kauften sich als erster Bundesligist eine Meisterschaft (2002), da die handelnden Personen jedoch unfähig waren, war die ganze Kohle weg und die Zecken verschuldet. Wie einst der Lügenbaron Münchhausen zogen sie sich an den eigenen Haaren aus dem Schuldensumpf, kassierten abermals mehrere 100 Millionen € an der Börse, was ihnen überhaupt erst die Klopperfolge ermöglichte.
      Mittlerweile sind die Bazillen aber so weit enteilt, dass sie auf nicht absehbare Zeit mehr von oben zu verdrängen sind. Dazu sind sie fast unschlagbar geworden, so dass auch dieser Mini-Triumph eines Sieges über die Bauern extremen Seltenheitswert haben.
      Die Radkappen wurden von VW mit Geld zugeschüttet und werden es wahrscheinlich auch wieder, sobald Gras über die VW-Skandale gewachsen ist.
      Doch das grausamste Ungetüm, das sein Unwesen in der Buli treibt, sind die Werbedosen. Die blockieren auch auf Jahrzehnte einen der wenigen begehrten CL-Plätze.

      Für "normale" Bundesligisten wie z.B. uns bleibt da nicht mehr viel übrig. Und das macht auf lange Sicht keinen Spaß mehr...
      Ich gehe jetzt mal 20 Jahre zurück. Ich kannte fast jeden Kader jedes Bundesligisten auswendig. Ich habe auf jedes Livespiel im TV hingefiebert. Schalke mal live zu sehen war ein absolutes Highlight und ins Stadion zu kommen sowieso. (Anmerkung, ich war damals 11 und wohnte so wie heute auch knapp 400km von GE entfernt).

      Damals und auch die Jahre darauf, gab es noch Typen im Fußball, die Bayern waren nicht die Übermacht und irgendwie machte Fußball generell mehr Spaß.

      Heute und auch schon die letzten Jahre schaue ich trotz Sky-Abo keine Euro League mehr, kaum ein CL-Spiel, 2. Liga fast ein komplettes Fremdwort für mich und Bundesligaspiele ohne Schalker Beteiligung finden sehr oft ohne mich statt. Die Kader der anderen Bundesligisten werden von Jahr zu Jahr unbekannter für mich und irgendwie geht mir das ganze Fußballgeschäft immer mehr am A*** vorbei.

      Sicher hat vor 20 Jahren die kindliche Begeisterung eine Rolle gespielt, aber dass ich mal so gut auf Fußball verzichten kann wie jetzt, hätt ich mir nie vortellen können.
      Werde erst in einigen Tagen die Zeit finden, mich ausführlich zu äußern, aber ich finde mich in euren Äußerungen total wieder.
      Wenn ich Ende der 90er, als ich anfing mich für Fußball zu begeistern, von dieser Entwicklung gewusst hätte, hätte ich das wohl alles damals noch viel mehr genossen.
      Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine zutiefst kranke Gesellschaft zu sein.

      ExilBueraner schrieb:

      Die Bazillen waren immer schon on top sol lange ich Fußball schaue und auf Schalke gehe. Aber JEDER in der Liga hatte eine Chance, die Bazillen zu schlagen! Dann gingen die Zecken an die Börse und kauften sich als erster Bundesligist eine Meisterschaft (2002), da die handelnden Personen jedoch unfähig waren, war die ganze Kohle weg und die Zecken verschuldet. Wie einst der Lügenbaron Münchhausen zogen sie sich an den eigenen Haaren aus dem Schuldensumpf, kassierten abermals mehrere 100 Millionen € an der Börse, was ihnen überhaupt erst die Klopperfolge ermöglichte.
      Mittlerweile sind die Bazillen aber so weit enteilt, dass sie auf nicht absehbare Zeit mehr von oben zu verdrängen sind. Dazu sind sie fast unschlagbar geworden, so dass auch dieser Mini-Triumph eines Sieges über die Bauern extremen Seltenheitswert haben.
      Die Radkappen wurden von VW mit Geld zugeschüttet und werden es wahrscheinlich auch wieder, sobald Gras über die VW-Skandale gewachsen ist.
      Doch das grausamste Ungetüm, das sein Unwesen in der Buli treibt, sind die Werbedosen. Die blockieren auch auf Jahrzehnte einen der wenigen begehrten CL-Plätze.

      Für "normale" Bundesligisten wie z.B. uns bleibt da nicht mehr viel übrig. Und das macht auf lange Sicht keinen Spaß mehr...
      Auf lange Sicht (also 10 Jahre +) sehe ich sowieso das Entstehen einer Weltliga , in der zunehmend Chinesen ,Amerikaner und reiche Öl-Staaten den Ton angeben , Milliarden-Ablösen für Fußballer gezahlt werden und auch Bayern München nicht mehr zur Creme de la Creme gehört . Lokale,also Landesmeisterschaften sind dann nur noch zweitklassig und spielen kaum noch eine Rolle....

      Für Insider : Ich fühle mich dabei wie Grek 336... :ugly:
      " Sie haben schließlich nichts verstanden - bist du Schalker , geht es um viel mehr als nur um Fußball.
      Es geht um eine Lebenseinstellung , die man mit Stolz geschwellter Brust verkörpert . Um Werte .
      Wir sind füreinander da , egal wo Du herkommst .Und wie Du aussiehst."

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von chk#73 ()

      Macht für mich solange noch Spaß, wie Schalke sich nicht verkauft hat. So finde ich es doch noch ganz spannend, die sportliche, taktische, individuelle und die damit insgesamt einhergehende finanzielle Entwicklung mitzuverfolgen.
      Sobald Geld keine Rolle mehr bei uns spielt, bin ich raus.

      Bin allerdings mit dem Alter auch immer mehr zum Event Zuschauer geworden, weil ich es unsinnig finde, bei 0° 5 Stunden nach Wolfsburg zu fahren für etwa 3 Stunden Spiel. Bzw. es macht mir keinen Spaß. Mir machts auch keinen Spaß bei so einer Zugfahrt total besoffen zu sein, oder sich dabei total asozial zu benehmen. Mir machen auch platte Attitüden kein Spaß.

      Mir macht es aber Spaß mit Freunden zusammen Spiele zu schauen, spannende Reisen zu machen, über Taktik zu reden usw.
      Denke vor 30 Jahren wäre ich wohl kein Schalke Fan gewesen.
      Kein cl keine el Spiele ohne Schalke..NM hmm ok wenn der Nachbar zum Grillfest einlädt....Die BL diese Saison grauenvoll...War noch nie so weit weg und angewidert vom Profifussball bin gespannt wies weitergeht bei mir..
      komm mit auf ein bierchen.....komm mit nach gelsenkirchen....schalke ist die religion

      Bukowski schrieb:

      Der Aspekt "Geld" wird wichtiger und wichtiger...


      zunehmende Kommerzialisierung [...] die Rechtsform Verein als Auslaufmodell?


      Macht es Euch vor diesem Hintergrund überhaupt noch Spass, sich Bundesligaspiele, Champions- und Europaleague-Spiele anzuschauen, oder ist man womöglich besser damit bedient, sich Sonntags mit paar Kumpels den örtlichen Amateurverein anzuschauen?
      Oder ist vielleicht auch ein Leben ganz ohne Fussball für den einen oder anderen User eine Option?

      Und eine weitere interessante Frage: wie seht Ihr die (mittelfristige) Entwicklung des Fussballs? sagen wir mal, auf Sicht der nächsten 5-10 Jahre...längere Zeiträume dürften da unmöglich zu prognostizieren sein.

      Ich denke, das ganze Thema bietet genügend Spielraum für interessante und vielfältige Grundsatzdiskussionen, mal abgesehen vom üblichen Tagesgeschäft...

      In diesem Sinne, viel Spass beim Diskutieren
      Glückauf
      Da hast du ja ne Menge Themen zu denenm an was sagen kann, ich hab das mal ein wenig gekürzt, weil ich nur auf ein paar davon eingehen möchte.

      Zuerst mal das gefettete. Das sind zwei Punkte die in meinen Augen nicht Hand in Hand gehen, sondern gegeneinander laufen. Oder anders ausgedrückt, je mehr Geld in dem Zirkus ist, desto unwichtiger wird in meinen Augen die Rechtsform. Denn als das mit den Ausgliederungen anfing, hatte das Geld eine andere Kaufkraft innerhalb der Fussballwelt. Wie du geschrieben hast, die Zecken haben sich damit eine Meisterschaft gekauft, die Bajuffen haben sich formidabel aufgestellt für die Zukunft, damals ging das noch.
      Als wir unsere Arena gebaut haben war das ein Mammutprojekt, wo klar war, das wir da Jahrzehnte dran abzahlen müssen. Heute sind es 4 Leroys....

      Will sagen, was würde es bringen jetzt den Verein abzuschaffen und eine andere Rechtsform zu wählen, um Eigenkapital zu generieren ? Die letzten Ausgliederer machen es ja vor, Werder sucht angeblich nach Investoren und findet keine, der HSV krebst weiter am Tabellenende herum und Stuttgart die mit den zu erwartenden Summen ja versuchen wollte oben anzugreifen im Laufe der Jahre müssen auch wieder aufpassen, nicht runterzugehen.

      Die Preise um in diesem Geschäft oben mitzuspielen, sind immens gestiegen, eine Ausgliederung würde nurnoch Sinn machen wenn man damit 300-400 Mio in die Kasse bekommt.

      Zum Einleitungssatz, das Geld immer wichtiger wird, nun das ist ja keine neue Entwicklung.Jägermeister wurde der erste Trikotsponsor weil Braunschwieg sich ein paar finanzielle Ressourcen sichern wollte. Ballack ging von den Bajuffen zu Chelsea auch nicht aus Liebe zur Insel.
      Das ganze hat halt durch den TV-Vertrag der PL, durch die Marketingbemühungen Katars,etc. ziemlich fahrt aufgenommen. Der Markt ist völlig überhitzt und zerstört, und ich denke das wird auch noch 2-3 Jahre so weitergehen. Wenn die PL Clubs Kader haben, wo die Spieler nurnoch nach dem "neuen" TV-Vertrag bezahlt werden, wird sich das alles wieder regulieren. Wo Clubs jetzt 100 Mo mehr ausgeben können, weil einfach mehr Geld reinkommt und die Kosten nicht gestiegen sind, können sie in 3 Jahrne vielleicht nurnoch mit 40 Mio extra planen, weil der Kader ja teurer wurde.
      Und dann wirds halt spannend ob die Briten ihr TV-Geld Niveau in der nächsten runde so halten können, was ich nicht glaube.


      GoldonS04 schrieb:

      Wenn Schalke nicht wäre, gäbe es für mich kein großes Interesse mehr, sich noch groß mit Profifußball zu beschäftigen.
      Den Goldon habe ich zitiert um die Frage für mich zu beantworten obs nicht besser wäre der ganzen Geschichte den Rücken zu kehren. Ich merke auch das ich kaum noch anderen Fussball schaue. Mal ein CL Spiel, das guten Fussball verspricht, bei Turnieren schaue ich mir mal das eine oder andere Spiel an, meist aber nur die wo irgendwie Schalker mitmischen.
      Das war früher anders.

      Aber wie Goldon so schön schrieb, Schalke hält mich in der Geschichte, und ich bin gerne da. Ich habe mich vor über 30 Jahren verliebt, und ich denke nicht das die erlischt. Natürlich wünsche ich mir das die Jungs und der Verein ordentlich erfolgreich sind, aber ich habe mich eben nicht in einen Tabellenplatz verliebt, oder in internationale Teilnahmen. Und auch nicht in die erste Liga, sonst wär ich nie Schalker geworden ;) Denn als es mich gepackt hat, kickten wir grad in der zweiten Liga.

      Also ja, der Fussball geht mir als ganzes ziemlich auf den Sack, aber Schalke-Spiele sind, zum leidwesen der lieben Gemahlin, immernoch etwas besonders und werden es wohl auch bleiben.
      "Nölen" ist viel mehr Schalke DNA als es Malochen je sein könnte!
      Ich habe den Fußball (und damit auch Schalke) erst so richtig ab 2003/2004 verfolgt. Da war ich knapp 10 Jahre alt.

      Die Schalker Mannschaft bestand damals aus mehreren Säulen in der Mannschaft: Ein Rost im Tor, Bordon und Kristajic in der Abwehr, im Mittelfeld Poulsen oder ein Zauberer wie Lincoln und selbst den Namen Altintop hatte man mit Schalke verbunden. Später kamen noch Spieler wie Larsen oder Kuranyi dazu. Apropos Kuranyi... man mag es manchmal kaum glauben, aber er war damals der Lieblingsstürmer für mich. Kuranyi-Tore waren damals für mich besonders feierwürdig.

      Dann kam die Saison mit Fred Rutten als Cheftrainer. Leidenschaftsloser Fußball, das Aus damals in der CL-Quali gegen Atletico mit einem 0:4 im Rückspiel und die Bundesliga mit Platz 8 beendet. Daraufhin kam Magath, wodurch man eigentlich dachte, man könne die Uhr danach stellen, bis wir endlich mal wieder Meister der BL werden. Im Endeffekt war dies der Anfang vom Ende meiner ersten großen Fußball-Euphorie. Den Kader einmal auf links gedreht, es war das Gefühl einer Knickbusmannschaft. Namen oder Spieler, die man in einem Jahr wieder vergessen durfte. Jedoch gab es Ausnahmen in dieser Zeit. Ein Jefferson Farfan, Klaas-Jan Huntelaar und (na klar) Senor RAUL waren Teil einer Mannschaft, die in 10/11 vom Gefühl an 08/09 erinnerte, jedoch dies kaschierte mit dem Wunder von Mailand und dem bis jetzt letzten DFB-Pokal Sieg! Die Jahre danach waren auch spannend, keine Frage, aber das Gefühl "der Fußball bleibt besonders" verschwand mehr und mehr. Tollen Auftritten folgten lustlosen Auftritten. Und wie erwähnt... Spieler kamen und gingen.

      Wenn man sich dazu überlegt, wie schwer es vor ein paar Jahren noch war, überhaupt mal in die Veltins-Arena zu kommen! Da gab es diesen einen Termin im Sommer, wo man als Mitglied die Chance bekam, vier Tickets pro Saison (!) zu ergattern. Die Telefonrechnung in diesen Monaten war immer sehr hoch. Aber es war einem egal, damals noch das Besetzt-Zeichen pro Anruf mit zu bezahlen. Meinen ersten Arena-Besuch hatte ich 2007 mit dem Spiel Schalke-Chelsea. Diesen Stolz in diesen vielleicht ersten 1-2 Jahren, ein Teil dieser Schalker Fangemeinde in 90 Min. Arena zu sein, hatte ich bis heute so nicht mehr. Es ist eher normal geworden, Tickets kurz vor Schluss noch zu kaufen.

      Wie sah es generell aus? Wie hier oft schon erwähnt, war es vor Jahren noch möglich die Bayern zu schlagen an einem guten Tag. Klar ging die Meisterschaft damals aus schon über die Münchener, aber die BL lebte doch oft auch in der Zeit von Meisterschaftskampf und vielen Emotionen. Wieder die Saison 08/09 genommen, kam der Umschwung. Wolfsburg wurde Meister, Hoffenheim dominierte zumindest die Hinrunde die Liga. Teams wie Aachen, Bochum, Duisburg etc. waren und sind für die erste Liga Geschichte. Der Brauseklub aus dem Osten tut dabei aktuell sein bestes dazu leisten, dass dies so bleibt.

      Die Fußballwelt ist mittlerweile dazu geneigt, nicht genug von König Fußball zu bekommen. Wettbewerbe werden ausgereizt, die WM wird bald mit 48 Teams bespielt und die Champions-League wirkt mittlerweile wie eine Drei-Klassen-Gesellschaft. Setzt man hier seine Pfennige nicht auf Real Madrid oder Barcelona als Sieger ist man bereits sehr mutig. Die Europa-League gleicht ebenfalls nicht mehr dem UEFA-Cup. Sie wirkt lästig und als Abstellgleis für die, die noch einigermaßen show-armen Fußball auf internationaler Bühne sehen wollen.

      Was bleibt festzuhalten...?

      Natürlich wäre ich naiv zu sagen, der Fußball wird mich kurzfristig nicht mehr interessieren. Dafür liebe ich Schalke sowie das Wochenende mit Fußball zu sehr. Zudem muss ich für mich feststellen, dass es momentan ein Mann schafft, mich emotionaler wieder intensiver zu fangen als die letzten Jahre. Domenico Tedesco. In ihm sehe ich eine bessere Zukunft, Fußball mit Struktur und freue mich dabei, auf eine stetige Entwicklung hoffen zu dürfen. Dieser Weg macht Spaß. Und solange es möglich, dass Kürzel e.V. im Vereinsname enthalten zu haben, bitte ich diesen fantastischen Klub darum, diese Philosophie fortzuführen, ohne dabei die sportlichen und finanziellen Aspekte zu vernachlässigen. Schalke ist ein Teil meines Lebens, eines der schönsten Nebensachen (fast schon Hobby) für mich.

      Aber eines bleibt festzuhalten... Funktionäre sowie Spieler können es schaffen, die Emotionalität sinken zu lassen. Den Anfang machte ein Herr Neuer (gebürtig aus Buer), gefolgt von schlechtem Management innerhalb unseres Vereins sowie die Schnelllebigkeit des Fußballs. Höre ich nur das Wort DEADLINE-DAY auf Sky Sport News HD wird mir schlecht. Hier zählt nur die Geilheit auf Transfers, die mit viel Kohle und manchmal auch Betrügern verbunden sind. Spieler die streiken, weil sie nicht mehr für den Verein spielen wollen, wo sie doch so stolz einen langjährigen Vertrag unterschrieben haben. (Davon mal ab... ich würde auch nicht für die Fehlfarbenden spielen wollen. Kleiner Spaß am Rande. :D )

      Es bleibt zu hoffen, dass die Geld-Entwicklung im Bereich Fußball sich nicht noch weiter ausdehnt wie die letzten 3-4 Jahre. Das ist mein größter Wunsch. Aber es bleibt wohl auch einer.

      Eins muss ich aber noch sagen: Um meine Emotionalität um Schalke herum mache ich mir keine Sorgen. Ich hatte gestern Abend bei der Auslosung fast schwitzige Hände und habe gejubelt, weil uns ein Heimspiel zugelost worden ist :D :D !!!

      Jetzt genug. Freuen wir uns auf eine Heimspielwoche, wo wir wieder gespannt sein können, ob unsere Offensive uns im Heimspiel diesmal trägt. Ich freue mich darauf definitiv! :schalke:
      Bei mir ist das steigende Desinteresse zwar auch den oft genannten Gründen geschuldet. Der tätowierte Allesfahrer war ich allerdings eh nie. Hinzu kommt die Verschiebung von Prioritäten im Privat- und Berufsleben, die es ganz einfach schwierig machen am Wochenende zwei Stunden freizuschwimmen, von einem halben Tag, der für nen Arenabesuch oder sogar ganzen Tag und mehr die für eine Auswärtsfahrt draufgehen ganz zu schweigen. Hier spielt auch die zeitliche Aufteilung des Spieltags (und damit doch wieder die hier oft gescholtene Marktorientierung) eine Rolle.

      Das schmierige Beraterbusiness und die perverse finanzielle Situation des Marktes setzen dem eher die Krone auf.
      Man kann noch so oft und mantrisch Antirassismus propagieren oder sonstige Charity-Aktionen pushen - vor dem Hintergrund dieser verschwenderischen Haltung ist das doch alles bloß Makulatur. Ein Vorbild für die Gesellschaft und speziell junge Leute ist der Profifußball mitnichten.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von jaylord ()

      Ein gutes Spiel macht immer noch verdammt viel Spaß, mehr noch wenn einer der Vereine Schalke ist und am meisten, wenn Schalke dann auch noch gewinnt. Aber das Interesse am großen ganzen geht schon seit Jahren bei mir zurück. Meine DK bin ich mittlerweile los und besuche keine Spiele mehr, sondern schaue sie nur noch im TV. Aber selbst das werde ich mir demnächst klemmen. Was früher in der Liga spannend war, ist heute zu große Routine und international ist es für mich genau so. Na gut, PSG ist da reingestürmt...aber auch nur durch Unmengen an Geld. ich denke in spätestens 5 Jahren hat sich das mit dem Fußball für mich ganz erledigt. Wird die Fußballwelt kaum erschüttern .-) irgendeiner rückt schon für mich nach!

      Schalker aus Wat schrieb:

      Ein gutes Spiel macht immer noch verdammt viel Spaß, mehr noch wenn einer der Vereine Schalke ist und am meisten, wenn Schalke dann auch noch gewinnt. Aber das Interesse am großen ganzen geht schon seit Jahren bei mir zurück. Meine DK bin ich mittlerweile los und besuche keine Spiele mehr, sondern schaue sie nur noch im TV. Aber selbst das werde ich mir demnächst klemmen. Was früher in der Liga spannend war, ist heute zu große Routine und international ist es für mich genau so. Na gut, PSG ist da reingestürmt...aber auch nur durch Unmengen an Geld. ich denke in spätestens 5 Jahren hat sich das mit dem Fußball für mich ganz erledigt. Wird die Fußballwelt kaum erschüttern .-) irgendeiner rückt schon für mich nach!
      Bei mir ist es ähnlich. Nur eins glaube ich schon: Es wird die Fussballwelt ganz erheblich erschüttern. Der Zenit ist überschritten, und das Interesse wird immer mehr nachlassen.
      Ich habe mir nicht ausgesucht das mein Herz anfängt zu pochen sobald die Blauweißen spielen. Ist so, kann ich auch nicht ein- und ausschalten.

      da es immer nur um den Verein geht ist mir das Drumherum eher nebensächlich geblieben. Brauche keinen Starkult, mir sind die Spieler leidlich egal. Interessanterweise fange ich meist erst an Spieler zu mögen wenn sie nicht mehr da sind. Weil ich sie dann daran beurteile wie sie sich Schalke gegenüber äußern udn verhalten. Aber das nur am Rande.

      Vor Jahren waren für mich die internationalen Spiele das Sahnehäubchen. Doch seit den Scheichs und Oligarchen in England, seit den Schuldenmachern in Spanien , seit den Konstrukten und dem zunehmend langweiliger werdenden elitären Kreis der Spitzenvereine ist das Interesse daran gesunken. Habe mir abseits von Schalke nicht ein einziges internationales Spiel angeschaut in den letzten zig Jahren (6? 7? 8?).

      Dieser ganze Wahn "international mithalten" zu wollen ist es, der mir das Ganze ein wenig verleidet.
      Ich brauche das nicht. Mir reicht die Liga. Okay, Gruppenphase CL und die EL kann auch noch interessant sein weil sich da ausser den üblichen verdächtigen auch noch andere Klubs aufhalten. Aber ich bekomme das Kotzen wenn ich Real, Barca, City, Paris oder Chelsea sehe. Gucke mir deshalb auch kein Spiel von denen an, selbst wenn wir spielen.

      Apropros: Ja, selbst wenn wir spielen kann ich es selten gucken, da ich kein Geld für Pay TV ausgebe udn auch nicht ausgeben werde. Und auch nicht in Pinten renne die es tun. Mir reicht dann mein Radio.

      Was für mich immer noch den reiz ausmacht ist die Vielfalt. das wir an einem normalen Samstag in der frei empfangbaren Sportschau auch Ausschnitte der anderen Partien sehen können, das wir, als Schalker, auch mit anderen Fans reden können, informiert werden, uns informieren können. Das an jedem Stammtisch über Burgis Schwalbe und dem Slapstick Freistoß von leverkusen diskutiert werden kann. Und man nicht nur seinen Klub, seine Blase vor Augen hat - was zwangsläufig passiert wenn die vereine sich aus der zentralvermarktung herausziehen werden.

      Und spätestens da wird es dann egal sein. Das wäre es mir nicht wert.
      Würde immer noch Herzklopfen haben aber dennoch verzichten.
      Die Ausgangsfrage lautet "Macht Fußball noch Bock?" Die ist leicht zu beantworten: Klar macht er das! Und zwar dann, wenn man den Begriff "Fußball" auf "Fußball" beschränkt, also auf Fußballspiele. Ich war neulich freitags abends bei Frankfurt-Gladbach, Winterabend und 51€ für die Karte. Dafür dann aber ne überraschend stark aufspielende Frankfurter Mannschaft, ein paar unerwartet schöne Aktionen, gute Stimmung mit ordentlichem Support von beiden Seiten, ein bisschen Spannung am Ende und als Ergebnis ein nicht unbedingt zu erwartender Sieg für die Heimmannschaft. Vorher ne leckere Wurst mit Senf und währenddessen ein Bier. Das war cool! Hat Spaß gemacht und die 51 Tacken habe ich nicht bereut.

      Ebenso Bock gemacht hat mir Schalke-Wolfsburg vor der Glotze, Grottenkick hin oder her. Ich hatte eigentlich keine hohen Erwartungen an unser Team, dann gingen wir schnell in Führung, dann wurde plötzlich das Halbfinale greifbar, das Spiel war kacke aber knapp, und am Ende stand ich schreiend vor meiner Glotze. Das war Identifikation und da kamen Träume hoch...wo hat man das denn im Alltag? Das ist auch mehr als nur "Unterhaltung". Das ist wieder das schöne irrationale Fan-Gefühl.

      Macht Fußball manchmal keinen Bock? Auf jeden Fall, dann muss man aber mit "Fußball" die Begleiterscheinungen meinen. Das sind für mich vor allem die medialen Begleiterscheinungen. Ich will keine "Experten" bei Sky, die eine Latrinenparole nach der anderen raushauen können, weil ihr Sender sein Publikum eh für zu blöd hält und die "Experten" nur als Instrumente der Markenbildung braucht, die deshalb auch möglichst hässliche Hemden tragen sollen - Hauptsache Wiedererkennungswert. Ich will keinen Deadline Day am 1.2. und keine Welt, in der am 4.2. wieder Transfergerüchte-Ticker aufgesetzt werden. Ich will keine Trikots im saisonal aktuellen adidas-Grün, deren Farbe mir als Hommage an die Stadt GE verkauft wird. Ich will etwas mehr Unvollkommenheit, etwas mehr Freiraum - und keine Stadien mit drei Reihen Banden und sechs Cam Carpets, keine Übertragungen mit zwei Presenting-Partnern vor und nach jedem Werbeblock und einem Sponsor für jeden zehnminütigen Abschnitt, keine Trikots mit drei Herstellerlogos und zwei Sponsoren und mindestens drei unverwechselbaren Elementen die den Markenkern transportieren, keine Spieltage an denen die Stadionregie ab 45 Minuten vor bis 30 Minuten nach dem Spiel keine Sekunde still sein mag, keine Social-Media-Accounts in denen "mein" Club plattformgerecht positiv und locker und heiter auftreten muss, selbst wenn es dazu keinen Anlass gibt. Ich will einen Reporter, der einen Spieler an der Seitenlinie abfängt und nicht die durchgeplanten Interviews vor den Rücksetzern in der Mixed-Zone oder X-Zone.

      Es ist alles zu durchgestylt und zu überhitzt und manchmal sehnt man sich nach etwas weniger Professionalität. Ich vergleich' das gerne mit Rock 'n' Roll - das war mal Gegenkultur, dann wurde es gesellschaftsfähig, dann wurde es komplett vereinnahmt. Heute verdienen die Rockbands von früher mehr Geld als je zuvor mit ihren Live-Auftritten und Lizenzprodukten und neuen Releases, dafür kommt aber nichts Neues mehr nach. Man kann nicht davon sprechen, dass sich das Phänomen selbst aufgefressen hätte - dafür wird damit viel zu gutes Geld verdient und ist die Industrie immer noch zu groß - aber so richtig am Leben ist Rock auch nicht mehr. Es ist eigentlich das eingetreten, wofür viele früher gekämpft haben - und jetzt wo man den Kampf gewonnen hat stellt man entnervt fest, dass das Kämpfen auch was Schönes hatte. Passt ganz gut zu den Tagen, an denen sich die Leute das Parkstadion zurückwünschen, obwohl man genau weiß dass man damals eigentlich nur durch Schlamm und durch Pisse gewatet ist, um sich nachher mit 20.000 anderen Bescheuerten vollregnen zu lassen.

      Ich finde eigentlich, dass das unser Verein noch ganz gut hinbekommt. Meine Identifikation mit Schalke war schon mal geringer und das liegt nach meinem Dafürhalten daran, dass es bei uns Zuständige für Tradition, soziale Verantwortung, Interaktion mit der eigenen Heimatstadt und -Region, Mitgliederaustausch etc. gibt. Diese Aktivitäten dienen zwar der Markenbildung, werden aber für mein Gefühl auch im Großen und Ganzen von ehrlich motivierten Leuten betrieben, die auch die Möglichkeit bekommen, ihre Arbeit nach ihren Vorstellungen nach draußen zu tragen. Gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass Schalke zwar geschäftlich erfolgreich ist, aber auch recht behutsam damit umgeht. Klar haben auch wir einen Ärmelwerbepartner, aber wir haben z.B. nicht wie noch vor 5-7 Jahren jedes Jahr Ticketpreiserhöhungen die uns als "Anpassung" verkauft werden. Damals waren die vielleicht auch nötig weil wir so pleite waren, aber es gibt genug Clubs die ihre Fans auch dann weiter auspressen wenn es ihnen gut geht.

      Was mich am Fußball am meisten stört und wovor ich die größte Sorge habe ist, dass ich momentan nicht absehen kann, wie der eigentliche Wettbewerb nochmal ins Lot gebracht werden soll. Vor 10 Jahren fühlte sich Fußball auch schon so an, als sei er sehr kommerziell geworden und als wären die Summen im Spiel förmlich explodiert. Aber vor 10 Jahren hatte ich noch nicht das Gefühl, dass es Schalke auf absehbare Zeit niemals schaffen kann, zumindest für ein paar Jahre am Stück auf Augenhöhe mit Bayern München zu kommen. Ich bin momentan wirklich skeptisch ob wir es in den nächsten Jahren erleben werden, dass die Bayern länger als ein Jahr an der Spitze aussetzen.

      Das Problem der auseinander gehenden wirtschaftlichen Bedingungen hat zwei Ursachen: 1) Zugangsliste und Einnahmenverteilung in den europäischen Wettbewerben (steht bis 2022 fest), und 2) Einnahmenverteilung aus der Zentralvermarktung in der Bundesliga (steht bis 2021 fest).

      Problem 2) ließe sich auf nationaler Ebene lösen - man müsste den Verteilerschlüssel nur gerechter machen. Bayern wird dagegen natürlich immer ankämpfen, das sind Geschäftsleute und die wollen vor allem stabile und planbare Einnahmen und so wenig Ungewissheit wie möglich. Die kriegen jedes Jahr Dutzende von Millionen mehr als alle Wettbewerber in den Arsch geschoben und es amüsiert mich ohne Ende dass es überhaupt irgendeinen Artikel über die "Langeweile in der Bundesliga" gibt, in dem nicht genau das an erster Stelle als Ursache genannt wird. Das ist so widersinnig und so sportfremd, dass man eigentlich nix von Wirtschaft verstehen bräuchte damit es einen zum Schreien bringt. Man stelle sich mal bitte ein ISTAF vor, in dem Usain Bolt beim 100-Meter-Rennen mit 25 Metern Vorsprung starten darf, weil die meisten Leute ja wegen Usain gucken und weil ein Gold für Usain ja auch hilft, um mehr Medienpräsenz zu schaffen. Das wäre doch völlig gestört! Aber wer im Fußball mehr Geld hat, der kann auch bessere Spieler kaufen und der hat schon vor der Saison und vor jedem Spiel einen Vorteil. Eine Liga in der ein Club aus der zentralen Einnahmenverteilung mehr als die anderen bekommt ist ein 100-Meter-Rennen, bei dem einer nur 75 zu laufen braucht.

      Bis jetzt gibt es keine Anzeichen dafür, dass es der Rest der Liga auf die Reihe kriegt, ein besseres System gegen die Bayern durchzusetzen. Man könnte natürlich ein vollkommen "gerechtes" System finden, in dem jeder zumindest innerhalb der ersten Liga den gleichen Anteil aus der zentralen Vermarktung bekommt. Das würde aber kurzfristig erstmal die Qualität an der Spitze einschränken, was kurzfristig zu schlechteren Leistungen im europäischen Wettbewerb führt, was mittelfristig Europa-Startplätze und damit bares Geld kostet. Wir hätten dann vielleicht eine spannende Bundesliga und rein geschäftlich müsste sicher auch Bayern München besser als bisher, weil kreativer arbeiten - man sieht auf dem Platz wie im Geschäftlichen überall, dass ein Mangel an Konkurrenz träge macht. Aber kurz- bis mittelfristig würden erst einmal viele Topspieler aus der Bundesliga verschwinden, weil die hohen Gehälter der Starspieler niemand mehr zahlen könnte. Wenn man das verhindern wollen würde müsste man dafür Sorge tragen, dass unsere Clubs in Europa weiter gut performen - das über die Einnahmenverteilung zu regeln hieße aber, dass man einfach eine kleine Gruppe von 4-8 Clubs überproportional bevorzugt und den Wettbewerb dann eben etwas weiter unten in der Tabelle verzerrt. Auch scheiße. Ist vielleicht ne Verbesserung, aber als Vision für die man sich begeistern könnte ist das wenig. Macht eigentlich nur Sinn wenn man daran glaubt, dass ein besserer Wettbewerb die Attraktivität der Bundesliga so steigert, dass ihre Einnahmen auch im internationalen Vergleich irgendwann so hoch sind, dass bei relativ ausgeglichener Verteilung alle gut davon leben können. Bis jetzt schafft das nur die Premier League.

      Die Alternative wäre also, 1) und 2) gleichzeitig zu lösen und eine Neuordnung auf europäischer Ebene zu finden, die die Wettbewerbsverzerrung innerhalb der Ligen über alle Ligen hinweg verhindert. Sprich: Obergrenze für die Unterschiede zwischen den Einnahmen des Topclubs und des kleinsten Clubs in einer einzelnen Liga, gleichzeitig ein System der Umverteilung, damit die riesigen Einnahmen aus den Europa-Wettbewerben nicht mehr nur an einzelne Clubs gehen. Die einzige Kraft, die so etwas durchsetzen könnte wäre die UEFA. Die UEFA aber wird unter Garantie nicht die Champions League gefährden, die ihre größte Cash Cow ist und die davon lebt, dass durch wiederkehrende Teilnahmen große Marken geschaffen werden, die man verlässlich jedes Jahr dort antrifft und deren Teilnahme man Medienpartner für fettes Geld verkaufen kann. Wer soll's sonst machen? Die Ligen werden sich untereinander nicht verständigen (auch wenn es eine EPFL gibt) und der EU-Kommission traue ich das auch nicht zu, zumal ich auch nicht wüsste wie ihr eingreifen zu rechtfertigen wäre.

      Auf kurz oder lang scheint es unausweichlich, dass irgendwann nur noch die größten Clubs gegeneinander spielen und die Vielfalt an der Spitze verloren geht. Das ist tragisch, ist aber mit der historischen Entwicklung von der Oberliga zur Bundesliga vergleichbar. Ich hoffe, dass es nicht so kommt, aber wie das zu vermeiden sein soll sehe ich nicht.
      Die Prioritäten haben sich schon verschoben. Schon Alters- bzw. Familienbedingt
      Fußball sehe ich meistens noch ganz gerne, aber ich gucke anders. Mit Abstand mittlerweile. Auch Schalke. Meistens.
      Und wenn ich die Wahl habe ein Spiel meiner Jungs zu sehen oder Schalke gucke ich definitiv meine Jungs.
      Ich habe im hohen Alter noch viel dazugelernt, auch weil meine Jungs das Glück haben, super moderne Trainer zu haben und mittlerweile selbst auf sehr hohem Niveau zu spielen.
      Da bekommt man automatisch viel mit und einen komplett anderen Blick für alles.
      Ich habe z.B. mittlerweile Verständnis für junge Spieler, die sich verändern wollen (so ne Show wie Herr Goretzka abgezogen hat ist und bleibt widerlich).
      Ab Niveau X muss man halt sehen wo man bleibt. Da schaut man nach dem Trainer, Infrastruktur, logistischen Lösungen, Mitspielern, Vereinszielen, Vereinsstrukturen und und und.
      Und die Jungs, die ab ca. 10 Jahren ein gewisses Niveau haben können halt nicht weiter mit ihren Freunden auf dem Dorf kicken wenn sie ehrgeizig sind.
      Und in NLZs findest Du keine Freunde. Die Kids dort sind schon Ich-AGs. Müssen sie auch sein. Sonst schaffen sie es nicht.
      Und da fangen meine Probleme an. Es ist irre was im Jugendbereich abgeht. Und das wird jetzt durch die Änderungen bei Ablösen zwischen NLZs sicher nicht besser.
      Ich habe Bauchschmerzen, mein Kind in dieses Haifischbecken zu schicken. Aber soll man sich in 10 Jahren von ihm vorwerfen lassen dass man es ihn nicht wenigstens hat probieren lassen? Aber egal, das ist ne Sache die man als Vater nun irgendwie verarbeiten muss.
      Aber da ich sehe was da im schon unteren Bereich abgeht widert mich das Profigeschäft bei den Großen von Tag zu Tag mehr an.
      So Sachen wie mit Goretzka passieren täglich und überall. Und auch der FC Schalke spielt dieses Spiel mit und profitiert ab und an davon.
      Und wenn Sonntag Nachmittag mal wirklich nix los ist werde ich einen Teufel tun und Hoffenheim gegen Wolfsburg gucken. Ganz sicher nicht. Dann gehe ich lieber hier im Dorf auf den Sportplatz, esse ne geile Wurst und trinke 2 Bier. Wenn mir denn nach Fußball ist.
      Erfahrungsgemäß habbich aber jedes Jahr im April/Mai die Faxen dicke mit Fußball. So ne Saison ist lang, irgendwann braucht man ne Pause.
      Wenn das alles in diesem Tempo in die falsche Richtung weitergeht wird bei mir in nicht ganz so ferner Zukunft sicher der Punkt erreicht sein, an dem ich mir das alles nicht mehr antuen will.
      Ja, und dann fällt in Doofmund das 4:4 und in Frankfurt das 2:2 und ich gehe ab wie Schmitz Katze (in Frankfurt mit meinen Jungs bei mir).
      Und dann brettern mir in Sekundenbruchteilen alle geilen Erlebnisse in den Schädel, die ich im Laufe meines langen Lebens beim Fussball hatte. Als Spieler, als Trainer, als Jugendleiter, als Fan.
      Und das pusht dann wieder ne Weile.
      Bis zum nächsten Ausgleich in der 94. Spielminute.
      And so on...
      „Arm ist man nicht ohne Geld, arm ist man ohne Herz“