Ausstieg aus dem Bergbau.

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      Von ehemals 10 Fördertürmen in Gladbeck sind sie als einzige übrig geblieben. Dazu die Schlossartige Maschinenhalle(Seit 1997 ist die Maschinenhalle der Zeche Zweckel ein Standort der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur und ein Veranstaltungsort für Kunst und Kultur in der Stadt Gladbeck, unter anderem für die Ruhrtriennale.[

      Ist immer einen Besuch wert Zeche Zweckel – Wikipedia
      Modefan seit 1958, seitdem warte ich auf den nächsten Meistertitel:)

      Ich möchte im Schlaf sterben wie mein Opa, nicht hysterisch kreischend wie sein Beifahrer...


      („Ich habe 1969 aufgehört zu trinken und mich mit Weibern zu beschäftigen – es waren die schlimmsten 20 Minuten meines Lebens“ (Georg Best)

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      Jimmy schrieb:

      Willst du jetzt ernsthaft @opa unterstellen, dass er sich das alles ausgedacht hätte und kein Bergmann war?
      Ich hab nicht gesagt das Opa nicht ut war. Ich hab gesagt das die meisten Leute die nicht auf dem Pütt waren immer davon quatschen wie es in der Grube war.

      Leute es war scheiss Arbeit und scheisse bezahlt.

      Cino schrieb:

      Leute es war scheiss Arbeit und scheisse bezahlt.
      Da erzählt mir mein Vater, der 20 Jahre auf Consol eingefahren ist, aber etwas anderes. Das sind doch nicht nur alles verklärte Berichte von halbsenilen Rentnern.

      Über die Bezahlung hat sich weder mein Vater noch mein Opa, der durch die Arbeit eine Staublunge bekommen hat und deswegen eher in Rente mußte, sich beschwert.
      Das es körperlich schwere und nicht gerade gesundheitsfördernde Arbeit war, bleibt unbestritten.

      Der Zusammenhalt, egal ob unter Tage, beim Rücken waschen in der Kaue oder beim Laienspiel auf dem St. Barbarafest, mein Vater berichtet noch immer begeistert davon, und das obwohl er seit 40 Jahren vonne Zeche weg ist.

      Aber es muß ja nicht jeder gleich wahrnehmen.
      Siquan tinoma fulassa numu hua da tiri

      Netsmurf schrieb:

      Cino schrieb:

      Leute es war scheiss Arbeit und scheisse bezahlt.
      Da erzählt mir mein Vater, der 20 Jahre auf Consol eingefahren ist, aber etwas anderes. Das sind doch nicht nur alles verklärte Berichte von halbsenilen Rentnern.
      Über die Bezahlung hat sich weder mein Vater noch mein Opa, der durch die Arbeit eine Staublunge bekommen hat und deswegen eher in Rente mußte, sich beschwert.
      Das es körperlich schwere und nicht gerade gesundheitsfördernde Arbeit war, bleibt unbestritten.

      Der Zusammenhalt, egal ob unter Tage, beim Rücken waschen in der Kaue oder beim Laienspiel auf dem St. Barbarafest, mein Vater berichtet noch immer begeistert davon, und das obwohl er seit 40 Jahren vonne Zeche weg ist.

      Aber es muß ja nicht jeder gleich wahrnehmen.
      Naja, ob Berichte von Leuten die 40 Jahre im gleichen Betrieb gearbeitet haben so objektiv sind sei mal dahingestellt.
      Ich kannte bis dato auch keine andere Arbeit und dachte es wäre normal. Die erste Zeit in anderen Betrieben kamen mir Lachhaft vor. Ich dachte mir jedesmal die sollen mal UT anfahren damit die wissen was arbeit ist.

      Ich habe zuletzt LG11 gehabt. Und danach in anderen Betrieben sofort die Hälfte mehr dazu verdient. Das Gute waren die Freischichten und Warmfreischichten. Und du hattest Rückendeckung von der IGBCE. Das war es aber auch. Aber mal kurz abhauen oder eine rauchen gehen war eben nicht drin.

      Wie geschrieben ich war im Streb drin und nicht Kauenwärter oder im Magazin. Ich habe die volle Packung Pütt abgekriegt. Und mal ganz ehrlich, ich habe keine andere Arbeit gesehen wo Leute so oft gesagt haben, das einer die Rente nur 3 Jahre erlebt hat. Sind doch alle kaputt gegangen sofort.

      Netsmurf schrieb:

      Da erzählt mir mein Vater, der 20 Jahre auf Consol eingefahren ist, aber etwas anderes. Das sind doch nicht nur alles verklärte Berichte von halbsenilen Rentnern.
      Kam in der Doku auch anders rüber. Die Frage ist allerdings, ob die höheren Stundenlöhne bei insgesamt weniger Stunden (Lebensarbeitszeit) und schlechterer Gesundheit angemessen waren.
      S. Rode (über M. Götze): Menschlich ist er ein absoluter Profi.
      @Cino Dann hast Du mich verkehrt verstanden. Mein Vater ist nur 20 Jahre eingefahren und hat die anderen 30 Jahre als Giesser, Schlosser und was weiß ich alles gearbeitet. Im Konzern als auch im Inhabergeführten Mittelstand. Er schwärmt aber nur von der Zeche, und er war auch nicht als Kauenwärter oder im Magazin unterwegs.

      Unser Opa hat die Rente auch mit der Staublunge 20 Jahre erleben dürfen und Vater ist inzwischen auch schon 12 Jahre im Ruhestand. Die Aussage mit den 3 Jahren Rente bis man kaputt ist, scheint etwas überspitzt zu sein.
      Aus Deinem Statement hört man persönliche Enttäuschung und Unzufriedenheit heraus. Mag ja sein, das Du es auch so empfunden hast, aber pauschalisieren kann und sollte man das nicht.
      Siquan tinoma fulassa numu hua da tiri

      Verona schrieb:

      Jimmy schrieb:

      Willst du jetzt ernsthaft @opa unterstellen, dass er sich das alles ausgedacht hätte und kein Bergmann war?
      Meinst du das kann der @opa nicht mit @Cino klären?Was mischt du dich denn da ein und wo steht das von dir unterstellte in Cinos Posting? :O
      Was mischst du dich denn da jetzt ein, meinst du, dass ich das mit Cino nicht selbst klären könnte? :O

      @Cino

      Dein Beitrag las sich für mich so. In diesem Thread hat eigentlich opa die meisten Dinge über die Zeit unter Tage erzählt, daher bezog ich deinen Beitrag auf ihn. Wenn ich dich falsch verstanden habe, nehme ich alles zurück :prost:

      - Meow

      Cino schrieb:

      Ich hab nicht gesagt das Opa nicht ut war. Ich hab gesagt das die meisten Leute die nicht auf dem Pütt waren immer davon quatschen wie es in der Grube war.
      Ich komme aus der ehemals größten Bergbaustadt Deutschlands.
      Dementsprechend kannte ich viele Bergleute, da ich auch selbst Bergmann war, und kenne heute noch sehr sehr viel ehemalige Kumpel. Und niemand sagt das, was Du da von dir gibst. Nicht mal annähernd.

      Cino schrieb:

      Leute es war scheiss Arbeit und scheisse bezahlt.
      Arbeiten musste überall. Aber untertage als Bergmann, das war schon was anderes, was besonderes. Ne eigene Welt.
      Ich weiß ja nicht was Du Untergage gemacht hast aber es gab sicherlich auch weniger tolle jobs dort.
      Ich war Vorort. Streckenvortrieb AV Revier. Also das Übliche, bohren, Schießen, Weglöffeln, Kappenauflegen, Stempelsetzen, verbauen, hinterfüllen usw..... Ab und zu mal nen Streb auffahren oder nen neuen Streckenast herrichten...... hat alles sehr viel Spaß gemacht. Nicht nur die Arbeit, sondern auch das ganze drumherum.
      Und vom Gehalt, 1990/91, also nur kurze Zeit nach meiner Ausbildung, habe ich 3.500 DM netto verdient. Für nen damaligen Single, der noch (Mietfrei) bei seinen Eltern wohnte, verdammt viel Geld. :cool:
      Ok, heute würde ich über so ein Gehalt lachen aber damals war das schon recht viel.
      "Nimmst du die blaue oder die rote Pille?"
      Ich habe mich für die blaue entschieden.........!
      -----------------------------------------------------------------------------
      Da kam dann das Elfmeterschießen. Wir hatten alle die Hosen voll aber bei mir lief's ganz flüssig.
      (Paul Breitner)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Neo ()

      Neo schrieb:

      Ok, heute würde ich über so ein Gehalt lachen aber damals war das schon recht viel.
      @Neo
      Damals hat der Lohn alle Familien in denen der Mann im Bergbau war gut leben lassen. Gab ja noch andere Vergünstigungen wie z.B. kostengünstige Werkswohnungen. Da hat ein Bergmann vergleichsweise die Hälfte für eine vergleichbare Wohnung gezahlt. Dazu sein Deputat an Kohlen was keine Heizkosten für ihn bedeutete.
      Die Bergleute standen sich schon gut und nicht ohne Grund ist der Pott damals so aufgeblüht. Sieht man ja heute wie es ohne Bergbau da aussieht. Gelsenkirchen ist da ein Paradebeispiel mit hoher Arbeits- und Perspektivlosigkeit.

      opa schrieb:

      Damals hat der Lohn alle Familien in denen der Mann im Bergbau war gut leben lassen.
      Jup......Vater war Bergmann. Mutter im öffentlichen Dienst. Geldsorgen waren unbekannt. Aber dafür 3 Fette Urlaube im Jahr. :cool: :D
      Und was mein Vater heute, nach 40 Jahren Untertage an Rente bekommt, davon träumen viele.

      opa schrieb:

      Sieht man ja heute wie es ohne Bergbau da aussieht. Gelsenkirchen ist da ein Paradebeispiel mit hoher Arbeits- und Perspektivlosigkeit.
      Ging damals doch schon bei mir los, als ich noch auf Zeche war. 2 Jahre nach meiner Lehre hatte ich ne Zusage fürn Studienplatz In Bochum um Bergbautechnik zu studieren. Aber da wurde mir schon gesagt, dass ich nach Beendigung des Studiums keine Garantie bekomme, wieder auf meine Schachtanlage als Steiger anfangen zu können. Ziemlich zeitgleich wurde auch bekannt, wann endgültig der Deckel auf meine Schachtanlage (Monopol) draufkommt.
      Habe dann von mir aus nen anderen beruflichen Weg eingeschlagen.
      "Nimmst du die blaue oder die rote Pille?"
      Ich habe mich für die blaue entschieden.........!
      -----------------------------------------------------------------------------
      Da kam dann das Elfmeterschießen. Wir hatten alle die Hosen voll aber bei mir lief's ganz flüssig.
      (Paul Breitner)
      Mein Mann war als Student auf Ewald, in Wolfach, Schwarzwald, Grube Clara und hat sich was dazuverdient in Meggen, Dreislar und Filicitas, Sauerland (Schiefer). Da bei seinem Vater, am Wochenende, die Störmeldungen von Meggen aufliefen, hatte ich das Glück x-mal mit Untertage fahren zu dürfen, in Dreislar war ich auch und mich hat diese Welt "gefangen" und klar, ist natürlich alles Erz. Komischerweise war "Rote Erde" schon als Kind meine Lieblingsserie.
      Für meinen Mann stimmt die Aussage: Einmal Bergmann, immer Bergmann. Wenn wir im Harz die Besucherbergwerke "befahren" ist mein Mann ein Anderer: Ich bin vergessen, seine Augen leuchten und er tritt auf nix drauf oder stolpert, muss so ne Art Bergmannsradar sein, geht über Tage nicht. Und egal mit welchen Bergleuten man spricht, egal ob aus Thüringen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Saarland oder Pott, er gehört sofort dazu und es wird gefachsimpelt. Man weiss nie was im Leben passiert, aber momentan möchten wir später in den Harz ziehen, die Besucherbergwerke suchen da dringend Ehrenamtliche, die mithelfen die Gruben in Schuss zu halten. Es gibt da eine Kohlegrube, den Rabensteiner Stollen, Netzkater. Zitat von Kumpel aus Hamm, der die Führung machte: "Ich konnte es auch nicht fassen, die einzige Kohlegrube in der die Kohle eigentlich nicht brennt." Interessant sind alle auf ihre Art, aber für mich besonders: der Röhrigschacht, Sangerhausen, hier konnte ich meine erste Seilfahrt machen. Glück auf.
      Mein Opa sagt übrigens immer: "Am unglücklichsten waren unter Tage immer die Quertreiber, die nicht mitgezogen und sich ständig beklagt haben."
      Vielleicht auch ein möglicher Grund für unterschiedliche Wahrnehmung.


      Wir müssen uns das Vermächtnis der Bergbautradition auf die Fahnen schreiben und in die Zukunft transportieren, was die kollektive Identität des Potts ausgemacht hat.
      Versöhnlicher Kompromiss:

      https://www.youtube.com/watch?v=sPMgNA0hnvE
      Ganz ohne Frage. Schließlich war mein alter Herr auch Zeit seines Lebens auf'm Pütt. Aber die Tage sind halt vorbei.
      "Orlando Engelaar war und bleibt ein guter Fußballer, der im kleinen linken Zeh mehr Ballgefühl hat als ein Rakitic in beiden Füßen zusammen!" ([tm] by Lokonda)

      Devino schrieb:

      Aber die Tage sind halt vorbei.
      Weil man Jahrzehnte gepennt hat. Kohlen waren zum Verbrennen viel zu wertvoll und Techniken zur Kohleverflüssigung gab es ja. Gab sogar auf Prosper eine Anlage die aber nach China verkauft wurde.
      Ändern können wir jetzt auch nichts mehr. Können nur hoffen, dass das Geld zum Wasser pumpen auch reicht.